Monthly Archives: August 2009

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Zum Jagen geschleift

Seit Jahren schon irritiert mich der Werbespot der Deutschen Bank: Ein junger, cowboyartiger Mann schwingt das Lasso, wirft die Schlinge und fängt eine große Ziffernskulptur, die „4,5%“ (oder irgend eine ähnliche Zahl) verkörpert. Nachdem er diesen günstigen Zinssatz eingefangen hat, scheint der Cowboy plötzlich von Zweifeln erfasst zu werden. Denn er tut Widersprüchliches: Während er sich mit den Händen am Lassoseil zu der Ziffernskulptur hinzieht, stemmt er sich mit den Haken so gegen diese Bewegung, dass seine Füße zwei tiefe Kerben in den glänzenden Fußboden graben. Eine seltsame Inszenierung: immerhin haben wir es mit einem Film zu tun, der unter dem Genre „Werbespot“ läuft. Erstens ist seltsam, dass des Zinsangebot der Bank ganz offenkundig nicht zum Kunden hinkommt, sondern dass der Kunde es unter Aufbietung großer Geschicklichkeit (wer kann schon Lassowerfen?) und aller Kraft sich zu ihm hinarbeiten muss. Die Bank kommuniziert damit, dass die Ehre, ihr Kunde zu sein, hart erarbeitet sein muss. Aber der Kunde – der Cowboy – ist sich nicht sicher, ob er diese Ehre wirklich haben will: zumindest seine Beine sträuben sich vehement gegen diese Bankbeziehung. Als nicht nur, dass man sich das Bankangebot hart erarbeiten muss: es ist auch noch höchst zweifelhaft, ob der Lohn dieser Arbeit überhaupt wünschenswert ist.
Für einen Werbespot eine erstaunliche Aussage! Aber also sozialpsychologische Darstellung des ambivalenten Verhältnisses von Menschen zu Banken eine nette bildliche Parabel. Und da die Deutsche Bank diesen Spot auch schon lange vor der selbstgeschaffenen Krise der Banken geschaltet hat, muss man sagen: Hut ab vor so viel Weitblick. Und Hut ab vor dem großen Mut der Deutschen Bank, die teure Werbe-Sendezeit dafür opfert, Menschen darüber aufzuklären, ein wie zweischneidiges Schwert eine Bankenbeziehung ist