Gestern in Highdlbörg…

… hatte ich einen Termin. Also stieg ich am Bahnhof in ein Taxi und nannte dem Fahrer die Adresse. Sofort legte sich sein Gesicht in tiefe Falten des Nachdenkens, und er murmelte gebetsartig, aber in Frage-Intonation, unablässig den Namen der Straße vor sich hin. Als er dann begann, mit dem Finger wild auf sein Navigationsgerät einzustechen und sich zum dritten Mal nach der richtigen Schreibweise des Straßennamens erkundigte, erbarmte ich mich seiner und erklärte ihm, wo ungefähr er die Straße finden könne; ich wußte das, weil ich schon einmal hier gewesen war, im Sommer und ohne die Dienste des Heidelberger Taxigewerbes in Anspruch zu nehmen. Unsicher wie ein Tourist vom Land, der sich zum ersten Mal in die große Stadt wagt, fuhr mein Fahrer in die gewiesene Richtung. Dann realisierte er plötzlich, wo sich die gesuchte Straße befand – und begann in bitteren Worten zu jammern: Dass er eine Stunde gewartet habe, und nun diese winzig kurze Strecke! Ich reagierte ein wenig unfreundlich auf diese Tirade und beruhigte mein schlechtes Gewissen dann mit einem zu hohen und völlig unverdienten Trinkgeld.

Ähnliches passiert mir öfter – nicht nur in Heidelberg. In Düsseldorf hat sich neulich ein Taxifahrer großräumig verfahren, und ich kam 20 Minuten zu spät zu meinem Termin. Als ich mich bei meiner Gesprächspartnerin mit den Worten entschuldigte, der Taxifahrer habe sich verfahren, sah ich ihrem Gesicht an, dass ich mir ihrer Meinung nach kaum eine dümmere Ausrede hätte einfallen lassen können (aus dem gemeinsamen Geschäft wurde dann auch nichts). Und in Rosenheim, einer Kleinstadt, die er gerade mal auf ein paar Dutzend Straßen bringt, musste ich einer Taxifahrerin den Weg zum Krankenhaus erklären. Vielleicht sollte man, statt immer nur die armen Kinder zu zwiebeln, einmal einen Pisatest bei Taxifahrern durchführen – hier scheint doch ein Bildungsnotstand zu herrschen, der uns alle Tag für Tag aufs neue betrifft!

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