Axotrottel

In einer Art Massenhysterie hat fast die gesamte deutsche Literaturkritik das Debüt einer 17jährigen mit dem Titel “Axolotl Roadkill” zum Meisterwerk erklärt, die Autorin zur Stimme ihrer Generation. Liest man ein paar Seiten dieses Buchs, kommt man nicht mehr heraus aus dem Staunen – über das Urteil der Kritiker: Pubertätsprosa reinsten Wassers ist es, was Helene Hegemann da verfasst hat, eine junge Frau, die – auch das merkt man beim Lesen – begabt ist und vielleicht in zehn Jahren einmal ein gutes Buch schreiben wird. Ich dachte zunächst, die Kritiker, die “Axolotl” so “authentisch”, “klug” und “sprachgewandt” fanden, seien alte, in Staub ergraute Kerle, die beim Gedanken an eine 17jährige Literatur-Lolita ins geistige Sabbern geraten – aber nein, auch die weiblichen Kritiker waren Teil der Hysterie. Doch dann kam heraus, dass Hegemann Teile ihres Opus aus fremden Quellen geschöpft hatte – und jetzt stehen in den gleichen Zeitungen, aber mit anderen Namen unterzeichnet, Artikel, deren Verfasser schon immer gewusst hatten, wie schlecht das Buch sei. Arme Helene Hegemann, deren jugenliche Naivität die Bewohner des Narrenkäfigs deutscher Literaturkritik schamlos für ihre Unsinnsproduktion ausgenutzt haben! Ich hoffe sehr, dass sie trotzdem noch die Kraft haben wird, in zehn Jahren ein gutes Buch zu schreiben.

Comments are closed.

Post Navigation