Wie man die Seiten einer Zeitung füllt

Im Folgenden wird ein idealtypisches Vorgehen beschrieben, das natürlich auf andere Themen und Medien leicht übertragbar ist:

  1. Man lobe das Buch einer jungen Autorin über den grünen Klee; Stichworte: Wunderkind, Genie, Drogen, exzessives Leben, Normverstöße, Authentizität, Stimme ihrer Generation. (1/4 Seite)
  2. Man lasse diesem Lob in den nächsten Tagen Porträts der Autorin bzw. Reportagen über ihr Leben in Berlin folgen. (1/2 bis 1 Seite)
  3. Sollte sich dann glücklicherweise herausstellen, dass einige Passagen dieses Buchs aus einem anderen abgeschrieben sind, erhebe man ein großes Geschrei über Plagiat und geistigen Diebstahl; aus Gründen der Selbstachtung lässt man diese Artikel einen anderen Journalisten schreiben, nicht den Verfasser der ursprünglichen Jubelkritik. (1/4 Seite)
  4. Hat man dann das Glück, dass die Autorin selbstbewusst auf den Plagiatsvorwurf mit Verweis auf Techniken wie Remix, Sampling, Objet trouvé etc. reagiert, schlägt die große Stunde der Experten aus Popmusik, Kunst und Literatur, die diese Begriffe erklären dürfen; außerdem werden auch noch historische Fälle der Verwendung von Quellen ans Licht gezerrt: Hat nicht schon Büchner seinen “Lenz” aus den Notizen des Pfarres Oberlin geschöpft? (1/2 bis 2 Seiten)
  5. Parallel dazu kann man auch noch den Autor, von dem die Autorin abgeschrieben hat, interviewen, wie er denn das ganze finde. (1/2 Seite)
  6. Und wenn man Glück hat, gewinnt in zwei Wochen die Autorin den Preis der Leipziger Buchmesse, und alles kann noch einmal aufgewärmt werden.

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