Mythen der Macher (1): Leistungsträger

Leistung muss sich wieder lohnen, hört man zur Zeit landauf, landab, und es ist auch viel von “Leistungsträgern” die Rede. Wenn sich etwas lohnt, ist in unserer Kultur meist gemeint, dass es sich finanziell auszahlt; Leistung muss also, soll sie sich lohnen, mit Geld entlohnt werden. Das Sprechen von “Leistungsträgern” zeigt, dass Leistung so etwas ähnliche wie ein Kleidungsstück oder ein Gepäckstück ist; beides kann man tragen. Leistungsträger ziehen also entweder Leistung an, oder schleppen sie mit sich herum. Vermutlich existieren auch zwei Kategorien von Leistungsträgern: solche, die sich mit Leistung schön kleiden, und solche, die sich damit abschleppen. Zumindest zu letzterem ist Energie nötig, und die Physik definiert Leistung ja als den Quotienten aus aufgewendeter Energie und der dafür verbrauchten Zeit. Anders gesagt: Leistung ist energischer Zeitverbrauch. Dies korrespondiert mit der Selbsteinschätzung von Leistungsträgeren: Wertet man ihre Äußerungen in Interviews, Artikeln etc. aus, stellt man fest, dass sie besonders stolz auf ihre 16-Stunden Tage sind. Sehr viel Zeitverbrauch also. Damit man diesen nicht einfach nur als “Trödeln” oder “Langsamkeit” bezeichnet, wie es häufig als für Nicht-Leistungsträger typisch beschrieben wird, ist nach der Definition nötig, dass der hohe Zeitverbrauch bei Leistungsträgern auch mit hoher Energie zu geschehen hat

Halten wir fest: Der Leistungsträger ist also jemand, der

  1. seine Leistung mit sich herumschleppt oder sich mit ihr schmückt, oder beides,
  2. viel Zeit mit höchster Energie verbraucht, und
  3. für diesen energischen Zeitverbrauch (meist gut) finanziell entlohnt wird.

Resultate oder Ergebnisse des energischen Zeiverbrauchs spielen dagegen für die Definition des Leistungsträgers offenbar keine Rolle; auch diejenigen, deren Zeitverbrauch negative Auswirkungen zeitigt, wie zum Beispiel Banken- und Firmenpleiten oder Finanzkrisen, verlieren dadurch nicht das Prädikat des Leistungsträgers, wie die nach wie vor sehr gute finanzielle Entlohnung beweist.

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