Mythen der Macher (2): Etwas bewegen

Werden Führungskräfte befragt, was ihnen in Ihrem Job besonders wichtig ist, rangiert eine Antwort meist ganz oben: Etwas bewegen können. Gemeint ist damit: Etwas ändern können, Entscheidungen treffen können, die zu Veränderungen führen. Interessant dabei ist, dass mit dieser Antwort die pure Aktion fokussiert wird, nicht der Inhalt der Aktion. Wahrscheinlich wird deshalb in Unternehmen so viel verändert und umorganisiert, ohne dass dadurch etwas anderes als Veränderung entsteht – meistens zumindest keine Verbesserungen. Wer das nicht glaubt, sollte Mitarbeiter großer Unternehmen und solche Führungskräfte, die selbst gerade nicht bewegt haben, sondern bewegt wurden, über ihre Einschätzung der letzten Umorganisationen befragen. Das Ziel, immer und überall “etwas bewegen” zu wollen, wertet die pure Veränderung als positiv – und so werden auch funktionierende Systeme so lange bewegt, bis nichts mehr klappt und man um eine weitere Umorganisation nicht mehr herumkommt. Vielleicht sollten Unternehmen einmal damit experimentieren, nicht diejenigen Führungskräfte zu belohnen, die möglichst viel Wind machen, sondern diejenigen, die erst einmal schauen, zuhören, warten – und dann nur das verändern, was nicht funktioniert.

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