Monthly Archives: May 2010

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Tröstliche Trostlosigkeit

Am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung “Die Farbe grau” des Berliner Fotokünstlers Michael Schmidt im Haus der Kunst: Ich gehe an den Bildern entlang und bin erst einmal wieder geplättet von der Intensität, mit der Michael Schmidt die banale Trostlosigkeit von Orten, auch von Menschen an Orten, in Bilder fasst. Diese Trostlosigkeit befällt auch mich, gleichzeitig aber eine tröstliche Einsicht: Ja, so sieht die Welt eben auch aus, lass es einfach so, such nicht nach dem herausragenden Erlebnis oder dem Schönen. Der Trost der Banalität, die Erleuchtung ist das alltägliche Leben. Ich erlebe die tröstlichen Trostlosigkeit, die die Bilder vermitteln. Ein Paradox! Nach George Spencer Brown ist ein Paradox das ständiges Hin- und Heroszilieren zwischen zwei sich eigentlich ausschließenden Werten, und genau das ist es, was – wie ich denke – die Bilder Michael Schmidts auf geniale Weise herstellen. Spencer Brown nennt die Werte solcher Paradoxa “imaginär”. Was kann ein Bild (imago) mehr erreichen, als einen in diesem Sinne imaginären Wert zu vermitteln und damit unsere  ja/nein-, wahr/falsch-Konstruktion zumindest für den Augenblick des Betrachtens der Bilder zu transzendieren?