Monthly Archives: June 2010

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Die Sprache blecken

Bild_Stiftung_IntegrationEine Sprache nennt man manchmal etwas altertümlich auch eine Zunge: “In deutscher Zunge sprechen”. Die Stiftung Integration, die offenbar für das Erlernen der deutschen Sprache wirbt, hat das ganz wörtlich genommen und als Bild für die deutsche Sprache eine schwarzrotgolden bemalte Zunge gewählt, die ein junger Mann herausstreckt. Die Zunge herauszustrecken gilt normalerweise als ein Akt des Verspottens oder Verächtlichmachens. Wenn also die deutsche Sprache mit der bemalten Zunge gleichgesetzt wird, dann auch das Sprechen dieser Sprache mit einem Akt der Beleidigung. Soll man also wirklich eine Stiftung unterstützen, die dazu auffordert, Deutsch zu lernen, um besser beleidigen zu können? Vielleicht vor allem dabei, eine neue Werbeagentur zu finden.

Mythen der Macher (3): Ziele

Ziele gehören zu den im heutigen Management- und Unternehmensalltag am meisten überschätzen Konzepten: Ein guter Teil aller Besprechungen und Gespräche drehen sich um Ziele – von Zielklärungsworkshops, Zieldefinitionen bis hin zu Zielerreichungsgesprächen, von denen das weitere Fortkommen der Mitarbeiter abhängig gemacht wird. Dabei haben Manager ihre Ziele immer so fest im Blick, dass sie links und rechts nichts mehr sehen können. Da mögen sich tausend Rahmenbedingungen ändern – mit zusammengebissenen Zähnen werden die einmal gesetzten Ziele verfolgt, wie unsinnig sie auch mittlerweile geworden sein mögen. Und Erfolg misst man ausschließlich daran, ob diese Ziele erreicht wurden. So entsteht Starrheit, Unflexibilität und die Unfähigkeit, auf neue Herausforderungen schnell reagieren zu können.

Natürlich braucht man Ziele. Ziele sind nützliche Konzepte, um Wege gehen zu können. Ziele sind Mittel, nicht Zweck. Man braucht ein Ziel, um sich für einen bestimmten Weg entscheiden zu können. Geht man dann diesen Weg, ist es wichtig, auf seine Herausforderungen zu reagieren; wer immer nur das Ziel im Auge hat, stolpert leicht mal über eine versteckte Wurzel. Und wenn der Weg es verlangt, sollte man jederzeit bereit sein, das Ziel über Bord zu werfen und sich ein neues auszudenken. Oder einfach einmal eine Zeit lang dem Weg vertrauen, gespannt, wo er einen hinführt. Dann könnte man Erfolg nach dem Weg, der zurückgelegt wurde, messen – und nicht danach, ob irgendwelche Ziele, die irgendwer irgendwann einmal gesetetzt hat, erreicht wurden.