Monthly Archives: September 2010

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Kommunikationsverweigerung

Um es gleich vorweg klarzustellen: Ich teile Thilo Sarrazins Ansichten zur Abschaffung Deutschlands in keiner Weise, ich halte sie für ein Beispiel dafür, wie man trotz aller benutzter Statistken zu ebenso seltsamen wie abseitigen Weltkonstruktionen kommen kann, die noch dazu daran kranken, dass Sarrazin offenbar Intelligenz mit Schulbildung und sozialem Status verwechselt. Die Art und Weise, wie mit diesen Thesen in der Politik und teilweise in den Medien umgegangen wird, halte ich jedoch für bezeichnend für deren Kommunikations-“Kultur”: Es ist in weiten Strecken nicht eine Kultur der Diskussion und Auseinandersetzung, sondern eine der Ausgrenzung. So fällt der SPD zum Beispiel nichts anderes ein, als ein Parteiausschlussverfahren gegen ihr Mitglied Sarrazin anzustrengen, und das nicht enmal wegen seiner Hauptthesen, sondern wegen seines in einem Interview geäußerten dummen Spruchs über jüdische Gene. Am deutlichsten aber war diese Ausgrenzungskultur Anfang der Woche in der Talkshow “Beckmann” zu beobachten: Wie da der Moderator allein schon durch seine Körpersprache Sarrazin buchstäblich die kalte Schulter zeigte, ihn mit vor Ungeduld zitternder Stimme unterbrach, sich nur den anderen Gutmenschen in der Diskussionsrunde zuwandte, war ein Musterbeispiel medialer Verweigerung von Kommunikation bei gleichzeitiger Kommunikationssimulation. Sowohl dem medialen System, für das Beckmann steht, als auch dem politischen, durch die SPD und ihren Vorsitzenden Gabriel repräsentiert, fehlt offenbar das Selbstbewusstsein, das für die Auseinandersetzung auch mit anrüchigen oder sogar gefährlichen Thesen wie denen Sarrazins nötig wäre.