Medien-Stammtisch

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in ihrer heutigen Ausgabe in einem immerhin zweispaltigen Artikel, dass sich Niki Lauda über den Auftritt eines homosexuellen Paares in einem Fernseh-Tanzwettbewerb erbost habe. Er habe nichts gegen Schwule, aber der Auftritt von Schwulen im Fernsehen widerspreche “guten Traditionen in unserer Kultur”, so kurz zusammengefasst die Meinung des ehemaligen Rennmeisters und Bruchpiloten. Eine Meinung, die er, so ist zu befürchten, mit vielen anderen oberhaiderischen oder hinterwäldlerischen Landsleuten teilt. Die Frage ist nur: Warum berichtet die Süddeutsche darüber? An der Qualität der geäußerten Meinung kann es nicht liegen – sonst müsste das Blatt ja seine Seiten tagtäglich mit den Geisteserzeugnissen nationaler und internationaler Stammtische füllen. Woran sonst? Daran, dass der Inhaber dieser Meinung ein “Promi” ist, ein “Star”, der berühmt wurde, weil er sehr gut im Kreis herum Auto fahren kann? Heißt das Motto: Ich bin ein Star, berichtet über mich – egal ob ich Kakerlaken fresse oder Unsinn verzapfe? Die Zeitung hätte dann in erster Linie die Rolle eines medialen Promi-Stammtisches. Eine Rolle, die einige Medien ja bereits vollständig übernommen haben – und andere anscheinend sich gerade  anschicken, zu übernehemen.

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