Monthly Archives: February 2014

You are browsing the site archives by month.

Karriere im Dschungel

Das “Dschungelcamp” ist eine Parabel auf das, was viele Menschen Tag für Tag in ihrem beruflichen Umfeld erleben (müssen).

Seit einer Woche hat das Dschungelcamp seine Zelte abgebrochen, und das begleitende mediale Pow-how ist verstummt. Bei keiner Staffel zuvor hatten so viele Zuschauer das Treiben der “Stars” genannten Medienfiguren verfolgt, und bei keiner, scheint mir, waren die medialen Reaktionen so breit gefächert: Das ging von den üblichen reflexhaften Moralinaufregern wegen der “demütigenden” Prüfungen bis hin zu entwicklungspsychologischen Studien zu einzelnen Figuren, wie sie etwa Roger Willemsen am Beispiel Larissa Marolts in der “Süddeutschen” vom 1.2. vorgestellt hat. Was aber interessiert so viele Menschen und Journalisten an Ungeziefer essenden und Unsinn redenden Menschen, die ungeachtet ihrer Etikettierung als “Stars” kaum einer kennt?

Eine mögliche Antwort könnte sein, dass das “Dschungelcamp” als eine Parabel wahrgenommen wird, die erzählt, was Karriere und beruflicher Erfolg vielen Menschen Tag für Tag abverlangen. Die Parallelen sind schlagend: Sowohl am Anfang einer beruflichen Karriere als auch im Dschungelcamp befinden sich Menschen in einem sozialen System, dessen Regeln vorgegeben und kaum hinterfragbar sind. Sie wollen etwas erreichen – beruflichen Erfolg, eine Karriere die einen, mediale Aufmerksamkeit und Starruhm die anderen. Um dies zu erreichen, müssen sie Aufgaben (Prüfungen) erfüllen, deren Sinn sich häufig nicht erschließt (tatsächlich erleben Mitarbeiter in großen Unternehmen häufig Projekte als sinnlos, wie zahlreiche Erzählungen von Mitarbeitern, die ich gesammelt habe, belegen). Zudem sind sie einerseits der Gunst ihrer Kollegen ausgeliefert, andererseits aber den Entscheidungen und Handlungen einer überinindividuellen Instanz – im Dschungelcamp dem Zuschauervotum, in Unternehmen den Aktivitäten der Führung –, deren Rationalität für sie meist nicht nachvollziehbar ist. Kurzfristige Erfolge werden mit Boni und Incentives (Essen) belohnt, Misserfolge bestraft. Und so weiter.

Die Parabel des Dschungelcamps führt uns vergröbernd verfremdet all die Demütigungen und Regeln vor, denen wir uns auch täglich im Beruf beugen müssen. Wir leiden und lachen mit uns und über uns und schütteln als Zuschauer den Kopf darüber, was wir uns als Berufstätige so alles bieten lassen.

Ein Monat “Claras Schuh”

Seit einem Monat schreibe ich jetzt meine Twitter-Erzählung “Claras Schuh”. Meine wichtigsten Erfahrungen bisher:

1. Es fällt mir sehr schwer, jeden Tag einen Tweet zuschreiben. Meist habe ich am Wochenende die Beiträge für die vergangene Woche nachgeschrieben. Das Problem ist nicht die reine Zeit, die es kostet, einen Tweet zuschreiben, sondern sich genug Aufmerksamkeit im Hirn freizuschaufeln.
2. Ich bin mir noch nicht sicher, welchen Stil der Text annehmen wird. Im Moment schreibe ich (glaube ich) eher in einem mosaikartiken Stil, lauter kleine Schnapschüsse, die nebeneinandergelesen die Narration ergeben. Manchmal habe ich auch einen Satz über zwei Tweets gezogen, bin mir aber nicht sicher, ob das beim Lesen funktionieren wird.

Nun gut, ich experimentiere weiter.